Chorkonzert: Teile des Weihnachtsoratoriums in St. Michael

GIEVENBECK Kaum ein Fest hat den Schiffbruch der Religionen derart unversehrt überstanden wie Weihnachten. Die Herzkammern Gläubiger wie Ungläubiger flimmern wie ein Kerzenmeer, sobald Heiligabend naht. Das wurde an Heiligabend in der Michael-Kirche deutlich.

  • Das Ensemble »CanTiaMo« begeisterte in der Pfarrkirche St. Michael.

    Das Ensemble »CanTiaMo« begeisterte in der Pfarrkirche St. Michael. Foto: Moseler

Die Adventsandacht mit dem Ensemble „CanTiaMo“ in der Pfarrkirche St. Michael leuchtete im Heiligabend-Ambiente mit Tannen und Krippenspiel, als der musikalische Leiter Thomas Mayr seine Weihnachtsgeschichte erzählte, von einer Zeit, in der man „einmal in der Woche fernsehen durfte“.

Existenzielle Glaubensfragen
 
Von der harmlosen Kasperle-Ansprache „Seid ihr alle da“ setzte Mayr im bekenntnishaften Tigersprung zur existentiellen Glaubensfrage über: Dies sei genau „die Frage, die uns zu Weihnachten angeht“. Die Kirche war voll besetzt, hier jedenfalls war der Ruf nicht ungehört verhallt.

Für die Andacht hatte Mayr mit dem Chor neben bekannten Liedern verschiedene Arien und Duette aus dem „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach einstudiert.

Im Choral „Brich an du schönes Morgenlicht“ bot der Chor eine konzentrierte Interpretation, die heitere Souveränität und Zielsicherheit des Glaubens überzeugend hörbar werden ließ.

Klangvolles Volumen

Aus Bachs Kantate „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“ sang ein Tenor des Chores die Arie „Meine Seele wartet“. Mit dem Tenor-Rezitativ „Und das habt ihr zum Zeichen“ bis zur Alt-Arie „Schlafe mein Liebster“ hatte Mayr ein Stück aus dem zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums ausgewählt, dessen entrückte Intensität deutlich hervortrat.

Das Adventslied „Maria durch ein Dornwald ging“ brachte das klangvolle Volumen des Ensembles mit dezenter Noblesse zur Geltung.
 
An unausweichlichem Ernst schien Mayr gelegen, das berühmte Zitat aus Matthäus, 28, 18-20: „Siehe, ich bin bei euch, alle Tage bis ans Ende der Welt“, fiel nicht zufällig. Der abschließende Chor „Ich steh‘ an deiner Krippen hier“ vereinte Gemeinde und Musiker stillschweigend zu Gläubigen jenseits des Zweifels – als ließe die Musik keine andere Wahl.  
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