Einlenken des Vermieters rettet Sinn-Leffers

MÜNSTER Die Kündigung von Annegret Schüring liegt zu Hause. Die Betriebsratsvorsitzende von Sinn-Leffers will gestern Morgen mit ihren Kollegen über den Sozialplan sprechen. Doch daraus wird nichts, denn Sinn-Leffers bleibt bestehen – eine Rettung in letzter Sekunde.

  • Ein Geschenk für alle Sinn-Leffers-Beschäftigten kurz vor Weihnachten: Hausleiter Jürgen Griese und die Betriebsratsvorsitzende Annegret Schüring verkünden »Wir bleiben hier!!!«.

    Ein Geschenk für alle Sinn-Leffers-Beschäftigten kurz vor Weihnachten: Hausleiter Jürgen Griese und die Betriebsratsvorsitzende Annegret Schüring verkünden »Wir bleiben hier!!!«. Foto: Tronquet

„Ich bin sprachlos“, sagt Schüring. Sie arbeitet seit 24 Jahren im Modehaus an der Salzstraße, hat den Einzelhandelsbetrieb mit aufgebaut, und wäre beinahe mit dabei gewesen, wenn er Ende Februar 2009 für immer hätte schließen müssen.

„Ich habe eigentlich nicht mehr damit gerechnet“, sagt Jürgen Griese. Mittwoch und Donnerstag hat der Hausleiter den Beschäftigten noch ihre Kündigungen ausgehändigt – auch für sich selber hatte er eine. Und heute? „Da hätte ich sie am liebsten alle zerrissen“, sagt Griese, dem man die emotionale Achterbahnfahrt deutlich anmerkt. Das geht rechtlich zwar nicht. Sie sollen nun aber ab Montag schriftlich zurückgenommen werden.

Der Rettungsring kommt spät, fast zu spät. Der Vermieter – ein englischer Immobilienfonds – geht erst nach zähen Verhandlungen mit der Geschäftsführung der Hagener Sinn-Leffers GmbH und dem Gesamtbetriebsrat doch noch mit der Miete runter.

Miet-Poker

Bis zuletzt hatten die Engländer gepokert. Erst als an diesem Dienstag die Kündigung des Mietvertrages bei ihnen eingeht, müssen die Manager einsehen, dass es Sinn-Leffers ernst mit dem Auszug meint und es vielleicht doch nicht so leicht werden könnte, das knapp 7000 Quadratmeter große Haus schnell wieder am Markt zu platzieren.

Der neue Mietvertrag, der Sinn-Leffers eine Überlebenschance gibt, kommt so erst am Donnerstagabend zustande. Zu einem Zeitpunkt, als alle 120 Mitarbeiter bereits gekündigt sind. Nicht mehr als fünf davon hatten bis dahin eine neue Stelle gefunden. Dazu wollte das Modehaus Petzhold sechs der zehn Auszubildenden übernehmen. „Davor muss ich meinen Hut ziehen“, sagt Griese.

32 Jahre ist er mittlerweile im Unternehmen, aber „so tief war ich noch nicht“. Es sei immer wieder an der Miethöhe gescheitert, „weil die sich nicht bewegt haben“. Der 55-Jährige wird bald einen anderen Standort übernehmen. Ein Nachfolger für Münster steht noch nicht fest. Um wie viel der Vermieter die Miete letztlich nachließ, weiß Griese nicht, es ist ihm auch egal: „Hauptsache, wir bleiben.“

Die Mitarbeiter und die Geschäftsführung in Münster hätten bis zuletzt um den Standort gekämpft. Sie heben die Vorzüge heraus, die hohe Kaufkraft, in erster Linie aber die Qualität der Mitarbeiter, so Griese. Bei Verkaufs-Tests wären sie immer unter den Besten gewesen.

Genau diese Mitarbeiter sind es nun, die das Haus wieder von Abgesang auf Normalbetrieb umstellen müssen: Der Rabatt-Verkauf für die Kunden endet heute, ab Montag wird Herbst- und Winterware eingeräumt. Die reguläre Warenversorgung, von der Sinn-Leffers zur Hälfte abgekoppelt wurde, muss wieder anlaufen.

„Weihnachtsgeschenk“

Die Beschäftigten freuen sich auf die unverhoffte Arbeit. Der gültige Sanierungstarifvertrag, ein möglicher Stellenabbau – in diesem Moment erscheint das unwichtig: „Für uns ist es das schönste Weihnachtsgeschenk“, sagt Schüring und lacht erleichtert: „Jetzt müssen nur noch die Kunden kommen.“
 
    
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Autor
Thorsten Berg
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    28. November 2008, 23:28 Uhr
    Aktualisiert:
    28. November 2008, 23:34 Uhr