Haus Heidhorn: Geheimnis unter der Bischofsmütze

HILTRUP Die „Bischofsmütze“ liegt im verträumt winterlichen Hochwald. Sie gehört zum Gebäudekomplex von Haus Heidhorn. Das Kapellchen mit dem wunderlichen Spitznamen birgt ein Geheimnis. Hermann Walter hat es jetzt gelüftet. Unter dem Altarraum wurden die Särge des Stifter-Ehepaars Hötte entdeckt.

  • Tief unter dem Altarraum der Kapelle von Haus Heidhorn fanden sich die vergessenen Särger der Stifter.

    Tief unter dem Altarraum der Kapelle von Haus Heidhorn fanden sich die vergessenen Särger der Stifter. Foto: Hötte-Stiftung

Hermann Walter ist einer der Sprecher der Hötte-Stiftung, die auf dem Heidhorn-Areal an der Westfalenstraße dafür sorgt, dass man sich an Josef und Emilie Hötte erinnert. Das wohlhabende, streng katholische Ehepaar schuf auf Gut Heidhorn im 19. Jahrhundert ein Erholungsheim für Nonnen. Später entstand dort ein Seniorenheim, das jetzt von den Alexianern geführt wird. Vor 18 Monaten wurde ein neuer Wohntrakt gebaut.

Gleichzeitig bereitete die Stiftung damals die Restaurierung eines alten Speichers vor, der seit kurzem als Veranstaltungsort und Erinnerungsstätte dient. Walter war oft vor Ort.
Natürlich fiel ihm die in den frühen 60er-Jahren gebaute Kapelle mit der markanten Mützen-Optik auf. Der Altarraum liegt im Hochparterre und ist durch einen verglasten Gang mit dem benachbarten Gebäude verbunden.

Kein Zugang

Aber was liegt unter dem Altarraum? Diese Frage stellte sich auch Hermann Walter. Einen Zugang zu diesem Teil des Gebäudes gab es nicht. Der Stiftungssprecher entschloss sich, das Rätsel auf eher unkonventionelle Weise zu lösen: Er fragte auf der benachbarten Alexianer-Baustelle nach, ob man nicht mal eben ein „kleines Loch“, so Walter heute, in die Backsteinmauer brechen könne. Man konnte.

Durch die Öffnung wurden Fotos gemacht. Das Blitzlicht der Kamera riss zwei Zinksärge und eine Engelsfigur aus der jahrzehntelangen Dunkelheit. Akkurate Tafeln kündeten davon, wer hier seine letzte Ruhestätte gefunden hat: das Stifterehepaar Hötte.

Wanddurchbruch

Ein weiterer Wanddurchbruch gab auf der anderen Gebäudeseite den Blick auf drei weitere Särge frei: Dort sind die Eltern des Stifters sowie der befreundete Wissenschaftler und Hauslehrer Bernard Altum beigesetzt. Die letzte Ruhestätte der Stifterfamilie war wiederentdeckt worden. Nur die vorletzte Ruhestätte war bis dahin bekannt.

In den Unterlagen der Stiftung gibt es ein Bild, das die Särge in der Krypta einer Kirche zeigt. Es ist die alte Kapelle von Haus Heidhorn. Sie lag einst in der Nähe der Straße. Der 1919 im Alter von 81 Jahren verstorbene Hötte sowie seine Angehörigen und der Freund waren hier ursprünglich beigesetzt worden.

In Vergessenheit geraten

Die alte Kapelle wurde abgerissen, ihre Funktion übernahm die „Bischofsmütze“. Dass dorthin auch die Särge gebracht worden waren, geriet irgendwann in Vergessenheit. Fotos von der Überführung kennen Walter und seine beiden Stiftungssprecher-Kollegen Reinhard Feldmeier und Dr. Ralf Klötzer nicht. Lediglich ein alter Grabstein im Arboretum von Haus Heidhorn erinnerte für viele Jahre an Josef und Emilie Hötte.

Walter findet für diesen Zustand drastische Worte: „Die sind weggemauert worden!“. Das soll sich jetzt ändern. Im nächsten Jahr möchte die Hötte-Stiftung das Untergeschoss der Kapelle wieder zugänglich machen. Dazu soll an der Westseite des Gebäudes in der Nähe des kleinen Glockenturms ein neuer Eingang entstehen. Zudem möchte man den Innenraum mit den Särgen würdevoll gestalten, so Walter weiter.

Gestaltung der Krypta

Nach der Renovierung des alten Speichers auf dem Gelände von Haus Heidhorn wird die Gestaltung der Krypta unter der „Bischofsmütze“ das nächste Projekt der Hötte-Stiftung sein – wenn mit der Finanzierung alles klappt. Wissenschaftlich begleiten wird Dr. Klötzer, Stadtarchivar in Stewwert, das Projekt.

Bliebe noch zu erwähnen, dass Hermann Walter nach den von ihm in Auftrag gegebenen Mauerdurchbrüchen durchaus Zweifel plagten. Ob das denn alles so in Ordnung gewesen sei, fragte er bei der Kirche und den entsprechenden Ämtern an. Er erinnert sich schmunzelnd an die einhellige Antwort: „Prima!“. Gemeinsam will man nun das Gedenken an die Stifter wieder wachrufen – und wachhalten.
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