Landgaststätte schließt: Wehmütiger und wütender Abschied von Sebon

GREMMENDORF Ein Stück Heimat ist am Sonntag verloren gegangen: Zum letzten Mal wurde in der Landgaststätte Gremmendorf Bier ausgeschenkt. Die Stammgäste kamen nicht nur zum wehmütigen Abschied zusammen. Einige zettelten Protest gegen die Schließung an.

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  • Auch diese Truppe sei schon mal bei Sebon »versackt«, wie am letzten Tag der Gaststätte zu erfahren war: (v.l.) Ulrich Wichtrup, Peter und Julius Bensmann, Lisa Messmann, Janine Bensmann und Christiane Wichtrup.

    Auch diese Truppe sei schon mal bei Sebon »versackt«, wie am letzten Tag der Gaststätte zu erfahren war: (v.l.) Ulrich Wichtrup, Peter und Julius Bensmann, Lisa Messmann, Janine Bensmann und Christiane Wichtrup. Foto: Backmann

  • Maria Sebon bekam von ihren Stammgästen ein Fotoalbum geschenkt.

    Maria Sebon bekam von ihren Stammgästen ein Fotoalbum geschenkt. Foto: Backmann

Die Wehmütigen waren da und auch die Wütigen, die Resignierten und die eher Rationalen, die Freunde des Bieres und des Kegelns, die Genießer von Grünkohl, Stielmus und Hamburger Bratenschnittchen. Das Haus war voll. Traurig schienen sie alle am Sonntagabend, als bei Sebon das letzte Bier ausgeschenkt wurde. Es war ein Abschied.

Immer wieder fiel der Satz, dass nun ein Stück Heimat verloren gehe. Dass mit der Landgaststätte Sebon eine Institution geschlossen werde, die zu Gremmendorf gehöre.

Die „älteste Kaffeewirtschaft am Rande Münsters“, in ihrer Existenz nachweisbar seit 1761, steht zum Verkauf. Der beauftragte Makler hat in seinem Internetangebot bereits einen dicken Schriftbalken „Reserviert“ über die Ausschreibung des Objekts gelegt.

Enttäuschte Stammgäste

Sebon macht also endgültig zu, und die Stammgäste können es noch immer nicht fassen. Inge und Bernd Adam, ehrenamtlich in der Kirchengemeinde St. Ida aktiv, sprachen von einer „Lücke, die nicht zu schließen ist“. Sie erinnerten sich, bei Sebon gewesen zu sein „in guten und in schlechten Zeiten“.

Bernd Adam erhielt 1949 Unterricht im kleinen Saal der Gaststätte, in der Notschule, denn die Volksschule war im Krieg zerstört worden. Sebon sei eben „das Beste, was es gibt“, meinten die Eheleute, und vermissen werden sie vor allem das Osterfeuer nebenan auf der großen Wiese, das traditionell mit dem Kerzenlicht aus St. Ida angezündet worden ist.

Spontan wollte eine aufgebrachte Runde noch am letzten Abend eine Unterschriftenaktion „aus Protest gegen die Nicht-Verlängerung des Pachtvertrages“ anzetteln.

"Eigentum verpflichtet"

Den Einwand, die Wirtsleute Maria und Klemens Sebon hätten den Vertrag ja ihrerseits nicht mehr gewollt, ließ der Kegelclub nicht gelten: Schließlich sei der Eigentümer und Verpächter nicht bereit gewesen, zu investieren: in eine „vernünftige Wärmedämmung“, in die Sanierung der Toilettenanlage, in die Wasserleitungen.

Fast trotzig wurde das Grundgesetz zitiert: „Eigentum verpflichtet – das gilt auch für den Grafen!“ Auch weniger empörte Stimmen waren am Sonntag zu vernehmen mit dem Tenor, es hätte der Güterdirektion des Grafen „gut angestanden, diesen Verlust zu vermeiden.“

Sebon schien sicher

Ulrich Wichtrup beschrieb ein Grundgefühl der „Ur-Gremmendorfer“. Trotz aller Umbrüche und Strukturänderungen, dem Zuzug neuer Einwohner und der Gemeindefusion der Pfarren habe man darauf vertraut: „Sebon ist sicher!“
Peter Bensmann, in der Bezirksvertretung Südost Fraktionsvorsitzender der CDU, wird mit Maria Sebon die „Wirtin meines Vertrauens“ vermissen.

Er habe „viele schöne Abende hier verbracht“ und kenne Menschen, die bei Sebon „auch schon mal versackt“ seien. Auf die vielen CDU-Versammlungen in der Gaststätte angesprochen, meinte er, für den Ortsteil sei ein Saalbetrieb wichtig: „Es gibt dann in Gremmendorf nur noch eine Lokalität.“ Vielleicht werde sich später auf dem Kasernengelände etwas ergeben, aber „so lange müssen wir dursten.“

Für Gremmendorf breche etwas weg, bestätigte auch der CDU-Ratsherr Andreas Nicklas. Sebon sei eine Informationsbörse gewesen, wo man „die Dorfmeinung“ habe erfahren können, der Ort für ein „gutbürgerliches, bodenständiges Publikum.“

Traurige Kegler

Die Wirtin selbst – den ganzen Abend immer wieder umarmt, gedrückt, geherzt und beschenkt – bekam von ihren Stammgästen ein Album zur Erinnerung. „Blättert man darin, ist man doch nahe am Wasser“, seufzte sie.

Etwas Positives: Fast alle Mitarbeiter hätten einen neuen Arbeitsplatz gefunden, sie selbst auch, sagte Maria Sebon. Gefeiert werden sollte, „bis das Fass leer ist“, versprach sie. Die Kegler indes trauerten weiter. Sie wüssten nicht, wohin: „Es gibt nichts Vergleichbares!“
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