Trotz Fahrradflut: Niemand will die neuen Fahrradständer der Stadt haben

MÜNSTER Münster wird der Flut der geparkten Fahrräder nicht Herr. Dabei mangelt es weder an gutem Willen noch an Geld. Mit vielen neuen Fahrradständern könnte Verkehrsplaner Stephan Böhme in der Innenstadt und in den Wohnvierteln etwas Ordnung schaffen im Fahrradgewirr. Doch niemand will die Ständer haben.

  • Fahrradständer an der Bernhard-Ernst-Straße: Sie wurden installiert, um die Bürgersteige für Fußgänger frei zu machen. Doch so einfach wie an dieser Ecke ist es fast nirgendwo in der Stadt, obwohl sich fast jeder über die Fahrradflut ärgert.

    Fahrradständer an der Bernhard-Ernst-Straße: Sie wurden installiert, um die Bürgersteige für Fußgänger frei zu machen. Doch so einfach wie an dieser Ecke ist es fast nirgendwo in der Stadt, obwohl sich fast jeder über die Fahrradflut ärgert. Foto: Helmut Etzkorn

Und so kommt es, dass Böhme in diesem Jahr 50.000 Euro hätte ausgeben dürfen für neue Fahrradständer, aber das Geld noch bis auf wenige 100 Euro noch da ist. Ein Fahrradständer kostet – je nach Ausführung – 200 Euro. Aus dem Haushaltstitel wird noch anderes bezahlt. Aber 100 Ständer könnten in Münster stehen. In der Realität gibt es aber nur ein paar neue Ständer an der Bernhard-Ernst-Straße und an der Hammer Straße.

„Wenn man mal was Gutes tun will, dann gibt es grundsätzlich ein Platzproblem. Aber wir müssen doch auch mal an die heilige Kuh Auto herangehen!“, sagt Böhme.

Und klagt damit in Kurzform über den Grundkonflikt zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern. Ausdiskutiert wird er immer wieder aufs neue von Verkehrsplanern, dem Ordnungsamt, Bürgern und Hausbesitzern.

Meistens geht es so: Abgestellte Fahrräder versperren dauerhaft einen Fußweg. Fußgänger müssen Slalom laufen, Blinde stolpern über die Räder. Fahrradständer sollen aufgestellt werden. Doch wohin? Auf die Fahrbahn? Dann fällt womöglich ein Parkplatz weg. Auf den Bürgersteig? Da ist der Platz meistens knapp. Das Ordnungsamt lehnt dann meistens ab.

Einpacken. Nichts passiert.

Und so packt Böhme seine Pläne meistens wieder ein, und nichts passiert.

Stadtdirektor Hartwig Schultheiß hat für beide Seiten Verständnis. Während in der Innenstadt inzwischen viele neue Fahrradständer aufgestellt worden seien, beispielsweise an der Stubengasse, gebe es „in den Wohngebieten noch keine Lösung“.
    
Im Kreuzviertel, im Erphoviertel, im zum Teil sehr engen Südviertel: Dort stehen die Fahrräder zuhauf auf den Bürgersteigen, und das wird auch wohl so bleiben. Früher gab es Fahrradkeller in den Häusern, doch heute kaum noch. Während Eigentümer von Neubauten inzwischen verpflichtet werden, nicht nur Auto-, sondern auch Fahrradstellplätze zur Verfügung zu stellen, könne man dies von Besitzern alter Gebäude nicht verlangen.

Während Böhme die Fahrradständer in diesen Fällen gerne auf die Straße stellen würde, hält Schultheiß dies für nicht machbar. Das Ordnungsamt, häufiger Gegenspieler von Böhme, mag ebenfalls keine Autostellplätze aufgeben und verweist darauf, dass Bürgersteige immer häufiger von Gastwirten genutzt werden.

Kompromiss bisher: keine Fahrradständer

Und so bleibt nur: In jedem einzelnen Fall einen Kompromiss suchen. Bisher sieht der Kompromiss allerdings meistens so aus, dass alles bleibt wie es war und keine Fahrradständer aufgebaut werden.

„Dieses Problem hätten andere Städte gerne“, sagt Hartwig Schultheiß. Und die Städte, die es haben, haben zum Teil auch andere Lösungen gefunden. In Hamburg gibt es zentrale Quartier-Fahrradparkhäuser, beispielsweise.
Ob das auch in Münster funktionieren würde?
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