Großübung: Rettungstaucher seilen sich in Ems-Hochwasser ab

MÜNSTER Das Hochwasser hat die sonst so friedliche Ems ordentlich in Fahrt gebracht. Sie fließt derzeit mit 1,5 Metern pro Sekunde durch die alte Kanalüberführung in Gelmer - selbst für geübte Schwimmer gefährlich schnell. Für die Strömungsretter der DLRG sind die Bedingungen aber perferkt - für eine ganz spezielle Sonntagsübung.

  • Der DLRG-Strömungsretter seilt sich von der alten Kanalüberführung in Gelmer ab in die Ems. Die Kollegen sind mit dem Boot zur Stelle.

    Der DLRG-Strömungsretter seilt sich von der alten Kanalüberführung in Gelmer ab in die Ems. Die Kollegen sind mit dem Boot zur Stelle. Foto: Helmut Etzkorn

Am vorletzten Tag im alten Jahr alarmiert Einsatzleiter Patrick Sandfort am Sonntag um kurz nach elf Uhr seine Froschmänner, angenommen wird ein Bootsunfall auf dem Fluss. Auch die DLRG-Einsatztaucher aus Marl und Telgte werden hinzugezogen. Bei größeren Wasserunfällen in der Region arbeiten diese Teams eng zusammen.

„Nur was auch unter Extrembedingungen geübt wird, klappt im Notfall“, meint DLRG-Sprecher Wilfried Sandbaumhüter. Zunächst geht es darum, die Retter vom alten Brückenbauwerk abzuseilen. Sicherungsleinen werden gespannt, jeder Knoten muss an der richtigen Stelle sitzen und ein falsch gesetztes Seil würde jetzt reichen, und der Taucher stürzt ungebremst in den Fluss oder verhakt sich in den Schnüren.

Unterkühlungsgefahr ist groß

Die Männer werden rund 15 Meter tief bis kurz über die Wasseroberfläche herabgelassen und sollen dort die im Wasser treibenden Opfer aufnehmen. Bei der Übung schlüpfen DLRG-Akteure in die Rolle der hilflos im Wasser treibenden Bootsinsassen, alle tragen Neoprenanzüge und haben deshalb im sieben Grad kalten Wasser keine Probleme mit drohenden Unterkühlungen.

Im Ernstfall sieht das anders aus. Sandbaumhüter: „Normal haben die Menschen hoffentlich eine Schwimmweste um, aber selten wärmeisolierende Kleidung.“ Auch deshalb muss es fix gehen, wenn die Strömungsretter gebraucht werden.

Prägender Unfall 2010

Im Ernstfall alarmiert die Feuerwehr-Leitstelle Münster die Retter von der DLRG Münster, die Berufsfeuerwehr rückt dann zeitgleich mit ihren Tauchern und Rettungsbooten aus. Bei schwierigen Lagen wie Hochwasser und starker Strömung sind die Männer und Frauen von der Lebensrettungsgesellschaft im Vorteil, weil sie einmal pro Monat auch extreme Situationen üben.

Nicht immer geht dabei alles glatt. Im März 2010 war ein 30-jähriger DLRG-Strömungsretter bei einem Materialtest für einen speziell gepolsterten Anzug in der Werse unter das Wehr an der Pleistermühle gespült worden. In einem Hohlraum harrte er aus, bis ihn die Feuerwehr mit Leinen befreien konnte.
    
Seit dieser Zeit trainiert die DLRG das Retten aus schnell fließenden Gewässern systematisch auf Wildwasserbahnen, an Mosel und Rhein und natürlich auf heimischen Flüssen. „Wenn Boote beispielsweise wegen starker Strömung nicht mehr zur Rettung eingesetzt werden können, sind unsere Leute oft die letzte Rettung“, sagt Sandbaumhüter.

Am Sonntag ging alles gut, am Nachmittag war das Übungsziel erreicht. „Nach sechs Stunden Kälteübung schmeckt die Grillwurst besonders gut“, glaubt Sandfort. Lange Pausen gibt es nicht. In gut einem Monat wird wieder geübt, damit im Ernstfall jeder Handgriff über und unter Wasser sitzt.
Autor
Helmut Etzkorn
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. Dezember 2012, 16:17 Uhr
    Aktualisiert:
    30. Dezember 2012, 16:31 Uhr
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