Shitstorm auf Facebook: Scharfe Kritik an Fahnenfoto der Jungen Union

MÜNSTER Ein Foto von der Weihnachtsfeier der Jungen Union Münster sorgt für Aufregung im Internet: Dort präsentiert sich der neue Vorstand unter einer schwarz-weiß-roten Fahne ähnlich der des deutschen Kaiserreichs. Auf dem Facebook-Auftritt der JU tobt seitdem ein Shitstorm.

  • Dieses Foto vom neuen Vorstand der Jungen Union Münster löste den Streit aus. Vorstandsmitglied Christoph Sluka (4. v. l.) kann nichts Schlimmes an der schwarz-weiß-roten Fahne sehen.

    Dieses Foto vom neuen Vorstand der Jungen Union Münster löste den Streit aus. Vorstandsmitglied Christoph Sluka (4. v. l.) kann nichts Schlimmes an der schwarz-weiß-roten Fahne sehen. Foto: Junge Union Münster

Innerhalb von vier Stunden sammelten sich bis zum frühen Donnerstagabend auf dem sozialen Netzwerk in der Kommentarleiste neben dem Bild über 200 oft wütende Kommentare an, das Bild wurde 220 Mal geteilt. 24 Stunden nach dem Online-Stellen waren es bereits über 1500 Beiträge und 1600 Nutzer, die das Bild geteilt haben.

"Für Kaiser, Volk und Vaterland - eure JU...", "Das Kaiserreich lebt in Münster weiter! Danke Junge Union für eure antidemokratischen Bestrebungen!" oder "schwarz-weiß-rot: deutschnational, rechtskonservativ, unfassbar!!" gehören noch zu den höflichen Kommentaren.

Irritationen bei Volker Beck

Das Foto sorgt selbst auf Bundesebene für Irritationen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, fragte per Facebook: "Was für eine Fahne soll denn das rechts auf dem Bild sein?"
    
Die Farbkombination schwarz-weiß-rot auf Fahnen ist historisch vorbelastet. Sie schmückte nicht nur die offizielle Fahne des Deutschen Kaiserreichs bis 1918, sondern wurde während der Weimarer Republik von monarchistischen, und antidemokratischen Gruppen benutzt. Auch die Nationalsozialisten verwendeten sie von 1933 bis 1945 wieder als Reichsfarben.

Offizielle Fahne des Gastgebers

Die Junge Union hat offenbar mit Zorn vieler Facebook-Nutzer gerechnet: "Um Missverständnissen vorzubeugen: Die JU Münster hat in den Räumlichkeiten des VDSt Münster [einer Studentenverbindung, die Redaktion] getagt, der wiederum schwarz-weiß-rot als Verbindungsfarben führt." Dieser sei 1902 gegründet worden und habe die damaligen Deutschland-Farben übernommen.

Die Jungkonservativen haben schon Erfahrung mit Anfeindungen dieser Art. Bereits bei ihrer Weihnachtsfeier 2011 ließen sie sich in vor einer ähnlichen Flagge fotografieren und stellten es bei Facebook ein. Im Zuge der hitzigen Hindenburgplatz-/Schlossplatz-Debatte hatten Schlossplatz-Befürworter das Foto als Nachweis für eine rechtskonservative und nationalistische Gesinnung der Hindenburgplatzfreunde der JU angeführt.

JU: "einstimmige und bewusste Entscheidung"

JU-Vorstandsmitglied Christoph Sluka verteidigte auf Anfrage unserer Redaktion die Entscheidung, das offizielle Foto des neuen Vorstands vor der schwarz-weiß-roten Flagge zu schießen: "Wir sehen nichts schlimmes an der Fahne", sagte er. "Es war eine einstimmige und bewusste Entscheidung des Vorstands, sich unter der Fahne fotografieren lassen."

Die Anfeindungen kämen von Fake-Profilen und aus dem links-grünen Lager, glaubt Sluka.

Auch das Spitzenpersonal von Münsters CDU kann offenbar nichts Verwerfliches an der umstrittenen Fahne sehen. Sowohl CDU-Bundestagskandidatin Sybille Benning und der bisher einzige Kandidat für den CDU-Vorsitz, Josef Rickfelder, waren Gäste der Weihnachtsfeier und hielten Reden.
Autor
Thomas Thiel
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    21. Dezember 2012, 15:37 Uhr
    Aktualisiert:
    21. Dezember 2012, 15:37 Uhr
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Abonummer

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Einwilligungserklärung:
Ja, ich bin damit einverstanden, dass die Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG mich über interessante Bezugsangebote zu ihrer Tageszeitung, zum Bezug per Internet oder zu ihren Reisen per E-Mail und Telefon informiert. Meine Einwilligung zu einer derartigen Kontaktaufnahme zwecks Informationserhalt ist für einen Zeitraum von 2 Jahren gültig. Ich kann jederzeit über meine Einwilligung verfügen, indem ich widerrufe. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen und akzeptiere diese.
ja nein      

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Mit welcher Währung zahlt man in Deutschland?