Ende des Schornsteinfeger-Monopols: Wettbewerb auf dem Dach

STEINFURT Die Berührung eines Schornsteinfegers bringt Glück, sagt der Volksmund. Nach Gesetzesänderungen kann der Hausbesitzer seit dem 1. Januar nun auch frei entscheiden, welcher Glücksbringer zu ihm nach Hause kommt.

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  • <p>Der "schwarze Mann" auf dem Weg ins neue Jahr.</p>

    <p>Der "schwarze Mann" auf dem Weg ins neue Jahr.</p> Foto: Maas

  • Claus Muchow (l.) und Sven Husmann haben keine Angst vor neuer Konkurrenz in ihren Bezirken.

    Claus Muchow (l.) und Sven Husmann haben keine Angst vor neuer Konkurrenz in ihren Bezirken. Foto: Maas

Das deutsche Gesetz folgt damit den EU-Vorgaben, die sich von der Schornsteinfeger-Reform eine Liberalisierung des Marktes erhofft. Der Plan: Niedrigere Gebühren aufgrund größerer Konkurrenz.

Damit fällt das fast 70 Jahre alte Bezirksmonopol der Schornsteinfeger.

Freie Auswahl

"Der Kunde hat jetzt die freie Wahl", wissen auch die Bezirksschornsteinfegermeister Sven Husmann und Claus Muchow. Das hieße im Umkehrschluss aber auch, "dass der Hausbesitzer sich jetzt selber kümmern muss, dass jemand kommt."

Doch auch, wenn man seinen Schornsteinfeger wechseln würde, käme man hin und wieder nicht an den Bezirksmeistern vorbei: Hoheitliche Aufgaben, etwa administrative Dinge, laufen auch unter den neuen Gesetzen nur über die Schreibtische der Bezirksschornsteinfeger.

Auch der Feuerstättenbescheid, den jeder der 23 000 Steinfurter Haushalte zu Beginn des Jahres bekommen hat, wurde von Husmann und Muchow verschickt.

Feuerstellen-TÜV

"Man kann sich das vorstellen wie beim Auto mit dem TÜV", erklärt Claus Muchow. "Da steht drin, was wann gemacht werden muss." Die beiden Steinfurter haben dem Bescheid zudem eine Bitte um Weiterverpflichtung angehängt.

"Wer möchte, dass alles beim Alten bleibt, unterschreibt das", stellt Husmann vereinfacht dar. Wer sich selbst kümmern möchte, muss das fristgerecht tun - sonst droht ein Bußgeld vom Kreis.

Keine großen Änderungen

"Ich denke aber in Steinfurt bleibt alles beim Alten", orakelt Muchow. Die Steinfurter seien mit dem Service zufrieden, Feger-Nachwuchs, der in die Selbstständigkeit gehen könnte, ist knapp und auswärtige Konkurrenz würde sich aufgrund der Anfahrtskosten mehrmals überlegen, in fremden Gefilden zu wildern.

"In meinem Bezirk haben schon ungefähr 75 Prozent die Weiterbeschäftigung unterschrieben", verrät Muchow. "Da kommen dann noch 20 Prozent Nachzügler dazu, und dann werden wir im Bereich um 95 Prozent landen", ist er sicher.

Würde in Husmanns und Muchows Bezirken - Steinfurt 11 und 14 - dann doch ein Konkurrent auftreten, werde man zwar keine Freudensprünge machen, so Husmann, letzten Endes seien das aber eben normale Vorgänge in der Marktwirtschaft.

"Das ist ja völlig legitim", stimmt Muchow zu. "Ich denke aber, dass jeder Schornsteinfeger in seinem eigenen Bezirk schon so genug zu tun hat."

Unverständnis

Das alles seien aber Erfahrungswerte: "Wir müssen jetzt abwarten, wo der Zug hingeht", bleibt Husmann gelassen. Trotzdem bleibt ein wenig Unverständnis: "Warum man ein gut funktionierendes System umkrempeln muss, weiß ich nicht."

Die schwarzen Männer geben sich dem Image als Glücksbringer gemäß optimistisch: "Wir sind ein lebendes Handwerk, traditionsverbunden aber recht modern. Wir werden uns anpassen", gibt Sven Husmann für 2013 aus.

 

Autor
Steffen Maas
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    3. Januar 2013, 17:03 Uhr
    Aktualisiert:
    7. Januar 2013, 11:24 Uhr
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