Die Premiere von "Hedda Gabler": An der Seite einer Mörderin

MÜNSTER Katharina Rupp inszenierte in Münsters Kleinem Haus klug und spannend Ibsens "Hedda Gabler". Die Sicht auf eine Mörderin und Selbstmörderin. Auch schauspielerisch eine hervorragende Leistung.

  • Liefert eine hervorragende Leistung ab: Claudia Hübschmann als Hedda Gabler am Theater Münster.

    Liefert eine hervorragende Leistung ab: Claudia Hübschmann als Hedda Gabler am Theater Münster. Foto: Jochen Quast

Eigentlich heißt sie jetzt Hedda Tesman. Denn sie ist mit dem Kulturwissenschaftler Jørgen Tesman verheiratet, einem betulichen Bücherwurm, der sogar noch die Hochzeitsreise für seine Studien verwendet. Aber Løvborg, ihr früherer Geliebter, nennt sie nur bei ihrem Mädchennamen – Hedda Gabler.

Für ihn ist sie weiterhin die lebensdurstige Tochter eines Generals. Wie sie sich nur an einen Langweiler wie Jørgen verschwenden konnte? Eine Frage, auf die Hedda keine Antwort weiß. Schon ein halbes Jahr nach der Hochzeit liebt sie ihren Mann nicht mehr. Wenn sie ihn überhaupt je geliebt hat.

Henrik Ibsen und seine Hedda

Die Titelfigur in Henrik Ibsens 1891 uraufgeführten Drama ist ein zutiefst gespaltener Charakter. Einerseits sehnt sich Hedda nach Freiheit und Selbstbestimmung, andererseits hat sie furchtbare Angst vor einem Skandal, den ein solches Leben nach sich ziehen könnte. Deshalb versucht sie, die Menschen in ihrer Umgebung zu manipulieren. Das hat fatale Folgen. Zwei Tote sind am Ende zu verzeichnen. Einer davon ist sie selbst. Mit der Kugel, die sie sich in den Kopf jagt, glaubt sie die letzte verzweifelte Möglichkeit gefunden zu haben, Größe zu zeigen.

Regisseurin Katharina Rupp hat die Handlung in die Gegenwart verlegt und das Stück in einer psychologisch differenzierten und äußerst spannenden Inszenierung auf die Bühne des Kleinen Hauses des Theaters Münster gebracht. Der Zuschauer erlebt die letzten Stunden einer Mörderin und Selbstmörderin direkt an ihrer Seite mit.

Albtraum in Weiß

Schauplatz ist die Villa der Tesmans, ein durchgestylter Albtraum in Weiß (Bühne: Cornelia Brunn), für den sich Jørgen verschuldet hat – in der Hoffnung auf eine gut dotierte Professorenstelle. Als jedoch der geniale, aber alkoholgefährdete Løvborg in der Stadt auftaucht, bekommt er einen gefährlichen Konkurrenten für seine Bewerbung.
Hedda, die ihre gesellschaftliche Position gefährdet sieht, gelingt es, Løvborg betrunken zu machen, sodass er bei einer Sauftour seinen Ruf und das Manuskript für sein neues Buch verliert. Das wahre Motiv für ihr Handeln ist aber nicht die Karriere ihres Mannes, sondern Eifersucht auf ihre frühere Schulkameradin Thea, die ihren Mann verlassen hat und Løvborg nachgereist ist. Damit hat sie genau das getan, was Hedda sich nie traute – ihr Leben zu leben ohne Rücksicht auf das Gerede der Leute.

Neben der klugen Regiearbeit überzeugt die Inszenierung durch hervorragende schauspielerische Leistungen. Allen voran Claudia Hübschmann, die in der Rolle der Hedda Gabler eine fast schon unheimliche Aura verbreitet. Christoph Rinke als Jørgen gibt dem pantoffeligen Ehemann eine Portion Komik mit, ohne ihn lächerlich zu machen.
Aurel Bereuter bringt Løvborgs tragischen Absturz ebenso glaubhaft auf die Bühne wie Johanna Marx die moralische Integrität Theas. Gerhard Mohr zieht als zynischer Hausfreund Brack die Strippen, während sich Carola von Seckendorff als Tante Julle um das Glück ihres Neffen sorgt.

Die nächsten Termine: 10./11./15./17./19. und 30. Januar. Beginn jeweils um 19.30 Uhr.
Karten im Theater Münster unter Telefon (0251) 5909-100.
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