Theater Oberhausen: "Bartsch, Kindermörder": Das Grauen kehrt zurück

OBERHAUSEN Ein Mörderstück zu Weihnachten? Ja klar, da gab's doch auch noch den Bethlehemitischen Kindermord des König Herodes, dem laut Matthäus-Evangelium alle Kinder unter zwei Jahren zum Opfer fielen. Das Theater Oberhausen allerdings ruft die Erinnerung an einen grausigen Fall im Ruhrgebiet wach: Regisseur Martin Kindervater zeigt "Bartsch, Kindermörder" von Oliver Reese.

  • Martin Müller-Reisinger spielt den Kindermörder Bartsch auf beklemmende Weise.

    Martin Müller-Reisinger spielt den Kindermörder Bartsch auf beklemmende Weise. Thomas Schweigert

Eine auf biografischen Dokumenten beruhende Selbstdarstellung des sadistischen Pädophilen Jürgen Bartsch - in beklemmendem Ambiente.

Hatte der 14- bis 19-jährige Bartsch von 1961 bis 1966 sein Unwesen in einem alten Luftschutzbunker in Velbert-Langenberg getrieben, muss das Publikum in Oberhausen, 30 Personen pro Aufführung, in den Keller des finsteren Hochbunkers Ebertstraße/Sedanstraße gegenüber dem Theater hinabsteigen.

Weihnachtliche Wohnstube

Man nimmt Platz in einer plüschigen, weihnachtlich geschmückten 60er-Jahre-Wohnstube, im Fernsehen Schwarzweißbilder vom Weihnachtsmarkt, dazu singt ein Kinderchor. Bei "Morgen, Kinder, wird's was geben" erfasst einen ein erstes Schaudern.

    

Dann schleicht Martin Müller-Reisinger in der Rolle des Sexualmörders herein. Wortlos macht er zwei Weihnachtsteller fertig, im kahlen Nebenraum legt er sich auf den Boden und beginnt zu erzählen von seinen sadistischen Vorlieben. Etwa hundert Jungen zwischen Essen, Velbert, Mülheim und Castrop-Rauxel habe er angesprochen.

Erinnerung an Gräueltaten

Erschreckend, wie genau er sich erinnert an seine Gräueltaten und an einzelne Sätze seiner Opfer. Und das alles in ruhig-nüchternem Ton. Eingestreute Berichte über seine unglückliche Kindheit bei lieblosen Adoptiveltern und die Zudringlichkeit des Paters im katholischen Internat geben Hinweise auf eine Ursache seiner krankhaften Psyche.

Am Ende seines eindringlichen einstündigen Solos war Martin Müller-Reisinger bei der Premiere am Sonntagabend einfach verschwunden, als wollte er sagen: kein Beifall für Bestien wie Bartsch!

Termine: 10., 15., 25.1.2013; Karten: Tel. (0208) 8 57 81 84.
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Abonummer

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 6 + 8?