Theater: Lutz-Hübner-Uraufführung: Das Richtfest bleibt aus

BOCHUM Auf der Suche nach größerem Zusammenhalt finden immer mehr Menschen in Bauprojekten zueinander. Dahinter stehen oft utopische Ideen von gesellschaftlicher Solidarität, die Auseinandersetzung mit der Realität führt zwangsläufig zu Konflikten.

  • Die schöne Vision vom gemeinsamen Bauen und Wohnen erfüllt sich in den Bochumer Kammerspielen nicht.

    Die schöne Vision vom gemeinsamen Bauen und Wohnen erfüllt sich in den Bochumer Kammerspielen nicht. Thomas Aurin

Lutz Hübner hat darüber einen großartigen Text geschrieben, den Anselm Weber am Schauspielhaus Bochum nackt und unverstellt in die die Bochumer Kammerspiele bringt. Zum "Richtfest", dem Titel von Hübners Auftragswerk, kommt es im Stück gar nicht. Die nackten Wände der Bühne sind nur notdürftig mit weißem Papier verhangen - Raum für Visionen.

Elf Menschen hat die Vision vom gemeinsamen Wohnen zusammengebracht. Ein Professorenehepaar, einen jungen Assistenzarzt und seine Frau, eine Referendarin, ein homosexuelles Musikerpärchen, zwei altlinke Sozialpädagogen, eine (noch) minderjährige Tochter, eine Seniorin, den aufstrebenden Jungarchitekten.

Oberschichtspanorama

Der Autor wirft sie gleich zu Anfang gemeinsam auf die Bühne und malt so ein lebendiges Mittel- bis Oberschichtspanorama. Gegenseitig spielen sich die Figuren ihre gesellschaftlichen Rollen vor, schaffen sich Bühnen, bilden ein Publikum. Die Konfliktlinien sind schnell stark verzweigt, Hübner erzählt geschickt von im Wandel befindlichen persönlichen Einstellungen, belasteten Paarbeziehungen und wechselnden Bündnissen.

Als sich herausstellt, dass Assistenzarzt und Referendarin die Finanzierung nicht stemmen können, die Seniorin in ihrer bisherigen Wohnung wie ein Messie lebt, sind das erstmal Schocks, doch die Gruppe versucht, sie zu tragen. Dass die Tochter der Jugendhilfe-Leiterin ihre Nächte mit dem Architekten verbringt und das Professorenpaar doch am liebsten Menschen mag, die teuren Rotwein trinken, bringt das Gefüge letztlich stärker ins Wanken.

Starkes Schlussbild

Bis auf ein starkes Schlussbild, das die mit dem Bauprojekt verknüpfte Hoffnung mit der Sehnsucht nach einer Behausung zum Schutz vor Naturgewalten zusammenbringt, tut Anselm Weber nicht viel, um den Text zu inszenieren. Er muss es auch nicht, um am Ende großen Applaus einzuheimsen. Großen Applaus, obwohl die Schauspieler stellenweise wirkten, als wären sie besser noch ein wenig länger in ihre Rollen hineinwachsen.

Termine: 14./17./26.12.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55. www.schauspielhausbochum.de
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