"Kabale und Liebe": Drama um verbotene Liebe erschüttert nicht

CASTROP-RAUXEL Nichts zu machen: Während man Ralf Ebelings Inszenierung von Schillers „Kabale und Liebe“ verfolgt (Samstag war Premiere am Westfälischen Landestheater), spukt einem die noch frische Dortmunder Version durch den Kopf. Im Direktvergleich zieht das WLT klar den Kürzeren.

  • Eine Liebe ohne Chance: Luise (Sophie Schmidt) und Ferdinant (Bülent Özdil).

    Eine Liebe ohne Chance: Luise (Sophie Schmidt) und Ferdinant (Bülent Özdil). Foto: Beushausen

In Castrop setzt man auf Modernismen. Das beginnt, wenn Sophie Schmidt Billie Holidays Kummerballade „You Don’t Know What Love Is“ singt. Das findet seinen Niederschlag, wenn die Akteure an ein Mikrofon treten und leitmotivische Merksätze verstärkt in den Saal schallen.

Das ist an den Kostümen (Ausstattung: Elke König) abzulesen: Burghard Braun trägt Lederhose und Westernstiefel. Das schwingt in der Sprache mit, die direkter und forscher klingt, weniger ziseliert als noch in Dortmund.

Tragik bleibt ausgestellt

So entrollt sich das Drama um die verbotene Liebe zwischen Luise (Sophie Schmidt) und Ferdinand (Bülent Özdil) zwar in aktualisiertem Gewand, doch die Tragik bleibt ausgestellt, vorgeführt.

Man sieht, wie das Räderwerk aus Hinterlist und Erpressung greift, die Liebenden um ihr Glück gebracht werden, doch erschüttern kann das nicht. Woran es liegt? Auch daran, dass die „Personalchemie“ nicht aufgeht: Guido Thurk, als Sekretär Wurm (nomen est omen, ist mehr Filou als diabolischer Strippenzieher.

Rechnung geht nicht auf

Burghard Braun hätte mehr Tiefe eingebracht, spielt aber Luises Vater. Özdil und Schmidt ergeben noch ein schönes Paar. Dass aber eine Lady Milford, die von Julia Gutjahr so körperstolz, selbstbewusst und dominant angelegt ist, für diesen Ferdinand entflammt, will nicht einleuchten. Wo das Beziehungsgeflecht unter den Darstellern nicht überzeugt, kann die Rechnung nicht aufgehen.

Warum muss Roni Merzas Hofmarschall von Kalb affektiert säuseln und tuntig herumtrippeln? Das ist der schale Witz einer Seifenoper, wobei Kalbs vermeintliche Affäre mit Luise so absurd erscheint, dass es Ferdinand auffallen müsste. Wir sehen Darsteller ihre Rollen spielen (Johann Schibli den Präsidenten, Vesna Buljevic Luises Mutter), unser Herz berühren sie nicht. 

Termin: 19.2.; Karten: Tel. (02305) 97 80 20.
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