Premiere: Der Wind macht das Fähnchen: Eine Familie wird demontiert
MÜNSTER Das Leben hält für Mutige das Experiment „Familie“ parat. Die Kleinfamilie, die Philipp Löhle in seinem Stück „Der Wind macht das Fähnchen“ auf die Jagd nach Glück und Geld schickt, schlittert zielsicher vom bürgerlichen Wunschtraum in den subversiven Albtraum. Die Premiere am Samstagabend im Theater Münster entfaltete eine virtuos gespielte Familiendemontage, die Regisseur Frederik Tidén im Turbo-Tempo inszenierte.
Eine Katastrophenfamilie: "Der Wind macht das Fähnchen" hatte Premiere im U2 im Theater Münster. (Foto: Günter Moseler)
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Oberhaupt-Allüren
Mark Oliver Bögel zeigt als Vater Oberhaupt-Allüren und Karriere-Komplexe. Regine Andratschke mimt als Mutter panische Fürsorglichkeit. Dennis Laubenthal zeigt als Sohn, wie seine Dichter-Ambitionen von einer Polizistenlaufbahn einkassiert werden. Maike Jüttendonk stolziert als Töchterchen auf Plateauschuhen wie eine Teufelsbraut durch berufliche Extravaganzen.
Ein loser Haufen
„Wir sind keine Gemeinschaft, nur ein loser Haufen“, jammert Mama, während die Scheidung wie eine Naturkatastrophe auf eine Familie zurollt, die jeder als Katastrophe empfindet. Hoffnungen, Träume und Illusionen platzen. „Die Wirklichkeit macht, was sie will“, japst Papa, der sein Seelenheil in der Erotik-Bar sucht, wo ihm Mama als Bunny-Häschen auf den Schoss hüpft. Das Dasein spreizt sich zur Nummern-Revue zwischen Abenteuer und Apokalypse. Überall lässt es der Regisseur schreien, bellen, quietschen, zucken und krakelen. Im Showdown werden die randalierenden Eltern von ihren staatstragenden Kindern verhaftet.
Löhles Dramolett führt vor, dass das Leben aus Millionen Momenten besteht, jeder kostbar wie ein Diamant – und zu kostbar, um sie zu verschwenden. Brillantes Schauspiel, unbedingt sehenswert!
Weitere Termine: 13., 19. und 30.1. sowie 1. und 18.2., Karten unter Telefon (0251) 5909-100.




