"Minna von Barnhelm" in Mülheim: Lessings Lustspiel lustvoll gespielt
MÜLHEIM Eine Fabrikkolonne in geblümten Hausfrauenkitteln und Kopftüchern stapelt Kartons, "Lili Marleen" auf den Lippen. Dann die Sirene zur Frühstückspause. Aber statt Stullen gibt's Reclam-Heftchen mit "Minna von Barnhelm". "Ein Lustspiel, wie schön", ruft eine Frau aus. Und dann schlüpfen alle, aus dem ringsum hängenden Kostümfundus schöpfend, in ihre Rollen des Lessing-Klassikers.
Simone Thoma als "Minna von Barnhelm". (Foto: Köhring)
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Karin Neuhäusers Neu-Inszenierung am Theater an der Ruhr treibt ein lustvolles Spiel mit den Facetten des Lustspiels: Verkleidung, Scherz und witzigen Charakteren. Dabei lässt sie statt eines typenhaften Komödien-Personals Menschen aus Fleisch und Blut auftreten. Die einzige Ausnahme ist Thomas Hoppensack in der neu dazuerfundenen Komikerrolle des Requisiteurs, der nicht nur immer mit passenden Dingen, sondern auch mit flotten Sprüchen zur Stelle ist.
Mulikulti-Truppe im Gasthaus
Eine Multikulti-Truppe kommt da nach dem siebenjährigen Krieg im preußischen Gasthause zusammen. Just schnackt Hamburgisch, Franziska sächselt, Paul Werner hat gar einen amerikanischen Akzent. Steffen Reuber als Wirt ist ein Möchtegern-Abbild des Alten Fritz - und doch meist nur ein schwächlicher Kriecher im grauen Hausmeisterkittel. Volker Roos' grobschlächtiger Diener Just ist ihm da nicht nur körperlich überlegen. Dagmar Geppert gibt das "Frauenzimmerchen" Franziska keck und kreischend - ein komödiantisches Highlight. Mit Fabio Menéndez als "Wachtmeisterchen" Paul Werner bildet sie das komische Paar.
Sie ist spröde und er grantelt
Minna und "ihr" Major von Tellheim sind dagegen nicht wirklich wie füreinander geschaffen: Sie (Simone Thoma) eine spröde Dame vom Typ Audrey Hepburn, er (Klaus Herzog) ein etwas farbloser Grantler. Wie fremd sie einander sind, zeigt ihr Diner, bei dem sie mit der Weinflasche und er mit den Pellkartoffeln kämpft. Nach zwei äußerst kurzweiligen Stunden kommt es zum zweifelhaften Happy End.




