"Don Carlo" bejubelt: Menschen leiden leidenschaftlich
GELSENKIRCHEN "Don Carlo" ist wohl die ehrgeizigste Oper, die Giuseppe Verdi geschrieben hat: zwischen 1867, der Uraufführung in Paris, und 1886 zählt die Verdi-Forschung allein sieben Fassungen. Von ihnen favorisiert wird die 'Mailänder Fassung', die nun im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier (MiR) ihre stürmisch gefeierte Premiere erlebte.
Sopranistin Petra Schmidt als Königin Elisabeth. (Foto: Malinowski)
- "Star Wars" Esa-Pekka Salonen gibt sein Abschiedskonzert als Exklusivkünstler
- Schauspielhaus Horváth-Bearbeitung von "Kasimir und Karoline" in Düsseldorf
- Ruhrfestspiele Falladas "Trinker" verliert sich im Kunstrausch
- Festival Stücke Gescheiterte Lebensentwürfe in "Wir lieben und wissen nichts"
- Ruhrfestspiele Babylonische Sprachverwirrung auf der Bühne
Schillers Drama, das Verdi zur Vorlage diente, erzählt die Tragödie von Menschen am spanischen Hof König Philipp II., die, um 1560, ins Räderwerk politischer und inquisitorischer Macht geraten und daran zugrunde gehen.
Staatsgefängnis
Regisseur Stephan Märki hat sich von Sascha Gross eine Bühne aus hohen, silbergrauen Fassaden und schwarzem Umfeld bauen lassen, die in ihrer Starre wie ein Staatsgefängnis anmutet. Und in dieser gnadenlosen Leere dürfen die Menschen - welch ein Kontrast - ihr Leid, ihre Verzweiflung, ihr intimes wie politisches Unglück mit heftigster Leidenschaft zum Ausdruck bringen. Damit gerät aber auch Verdis hochexpressive Musik ganz unverstellt in den Vordergrund, und das um bekannte Gäste verstärkte Solisten-Ensemble kann sich ungehindert entfalten
Ergreifender Monolog
Bejubelte Höhepunkte sind natürlich die leidenschaftlichen Arien von Königin Elisabeth (Sopran Petra Schmidt) und der intriganten Prinzessin Eboli (Carola Guber) sowie der ergreifende Monolog König Philipps (Bass Renatus Mészar). Kunstverständiger und dennoch publikumsnah kann man dieses problematische Meisterwerk Verdis wohl nicht über die Rampe bringen.




