Grillo-Theater Essen: Präsidentinnen fantasieren sich in eine schöne Zukunft
ESSEN Unter dem Motto "Schöne neue Welt" geht es in dieser Spielzeit im Grillo Theater um Utopien. Und dazu passend haben die Essener Werner Schwabs Volksstück "Die Präsidentinnen" aus den 1990er-Jahren ausgegraben. Bei der Premiere in der kleinen Spielstätte Box erntete die Inszenierung von Jasper Brandis, der ganz auf sein tolles Schauspielerinnen-Trio setzt, tosenden Applaus.
Die Essener Präsidentinnen (v.l.): Ines Krug, Bettina Schmidt und Ingrid Domann. Foto Hupfeld (Foto: Hupfeld)
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Hübsch geschmacklos hat Asima Amrika Bühne und Kostüme gestaltet: Vor einer projizierten Bergweltidylle sitzen die drei Frauen aneinander gequetscht auf einer Bank am Küchentisch und lauschen einer Papstmesse im Mini-Fernseher - schrecklich schön anzusehen.
Mit dem Verstummen des TV-Geräts beginnt die Plauderei über Banalitäten des Alltags, die die biografischen Abgründe der Frauen offen legt.
Dasein mit Dackel
Ingrid Domanns sparsame Grete ist geschieden, hat einen vermutlich homosexuellen Sohn und glaubt an ihren polnischen Fleischer, der den gleichen Namen wie Papst Johannes Paul II. trägt - Karol Wojtila.
Ines Krugs fesche Grete, ebenfalls geschieden und die Tochter durch Missbrauch des Vaters verloren, teilt ihr Dasein mit einem Dackel.
Nächstenliebe und Streitereien
Dritte im Bunde ist die leicht debil wirkende Mariedl, die Bettina Schmidt mit vielen Ticks köstlich spielt.
Ihre Pilgerfahrerin "macht's auch ohne" Gummihandschuhe, kümmert sich um verstopfte Toiletten und den Aufbau der Nächstenliebe, um Streitereien zwischen Grete und Erna zu beenden.
Beste Unterhaltung
Nun fantasieren sie sich, eine schöne Zukunft zusammen. Ingrid Domann nimmt immer wieder Verkünder-Pose ein, wenn ihre Erna von der Ehe mit Wojtila träumt, und Ines Krugs Grete schwelgt schon beim Erzählen vom neuen Eheglück in orgastischen Freuden.




