"Arsen und Spitzenhäubchen": Spaß mit Leichen
Dortmund Eine Gewitternacht, ein Abbruchhaus, Leichen in Keller und Truhe: Joseph Kesselrings "Arsen und Spitzenhäubchen" inszenierte das Regie-Duo Peter Jordan und Leonhard Koppelmann als klamaukigen Theaterspaß. Das fast dreistündige Gag-Feuerwerk bejubelte das Premierenpublikum am Sonntag im Dortmunder Schauspielhaus.
Verwandte zum Verzweifeln: Mortimer (Christoph Jöde) mit seinen mordlustigen Tanten, gespielt von Eva Verena Müller (l.) und Caroline Hanke. (Foto: Schaper)
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Der erste Schreck, Schauspieldirektor Kay Voges verkündete launig eine Umbesetzung, erwies sich als unbegründet. Julia Schubert, die seit dieser Spielzeit zum Ensemble gehört, sprang nach nur einer Probe für den erkrankten Frank Genser ein. In gleich zwei Hosenrollen, als Pastor und Dr. Einstein, heimste die überzeugende Schauspielerin für ihr komisches Talent so manchen Szenenapplaus ein.
Wunderbar trashiges Bühnenbild
Gleich zu Beginn bröselt dem Pastor auf den spärlich behaarten Schopf der Putz, denn im Heim der eigenwillig barmherzigen Schwestern, wo man sich zur Nacht liebevoll wie in der TV-Serie "Die Waltons" verabschiedet, ist der Lack ab. Kunstvolle Risse zieren die Wände auf der wunderbar trashigen Bühne von Daniel Roskamp.
In diesem turbulenten, bis in den Schlussapplaus inszenierten Ideenreigen, der von Slapstick bis Comedy reicht, lässt die Regie das spielfreudige Ensemble mit überzeichneten Figuren agieren und mischt auch etwas Lokalkolorit in den Text.
Steiger-Lied
So stimmt Uwe Schmieder als verrückter Teddy das Steiger-Lied an, wenn er zum Grabschaufeln für ein weiteres Mordopfer seiner Schwestern in den Keller zieht. In fantasievollen Uniformen à la Gaddafi absolviert Schmieder großartig irre Auftritte als US-Präsident und meistert auch den verschrobenen Inspektor, bringt einen Dialog zwischen diesen beiden mit blitzartigen Rollenwechseln zustande.
Austoben konnte sich Michael Sieberock-Serafimowitsch auch bei Elaines Kostümen: Jeder Auftritt von Bettina Lieder gerät zur Modenschau - auch mal in einen Föhn als Mikrophon wie ein Musical-Star singend.
Zwei laszive Tante
Eva Verena Müller und Caroline Hanke versuchen - trotz grauer Strähnen in den Perücken-Ungetümen, comicmäßgem Kopfgewackel und Trippelschritten - erst gar nicht, alte Tanten zu mimen, sondern in ihren hübsch-altmodischen Kleidern geben sich die Damen gerne lasziv.
Christoph Jöde leistet als ihr Neffe Mortimer wie gewohnt Schwerstarbeit als umwerfender Komödiant, der selbst aus dem Treppehinaufstolpern eine Melodie zaubert (Musik: Paul Wallfisch).




