Premiere im Boulevard-Theater: "Tratsch im Treppenhaus" begeistert das Publikum
MÜNSTER Die schönsten Ausflüge gönnt sich die Fantasie ins Schlaraffenland der Gerüchte. Hier kann sie mit den Seifenblasen übler Nachrede spielen oder sich auf dem Misthaufen der Missgunst wälzen. Meta Boldt beherrscht die Metaphysik der Intrige perfekt: Sie lügt, wie ein Vogel singt.
Es sieht aus, als wäre das neugierige Weibsbild Else Kling in die Lindenstraße zurückgekehrt, es ist aber »Tratsch im Treppenhaus« im Boulevard-Theater mit Michaela Fleischer (l.) und Angelika Ober. (Foto: Boulevard-Theater)
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Die hübsche Untermieterin
Witwe Hanne Knopp (mit resolutem Temperament: Michaela Fleischer) hat ihre Dachkammer untervermietet – ohne den Vermieter Tramsen gefragt zu haben. Metzger Tramsen (in breitschultrig-cholerischer Majestät: Heiko Haynert) ist eher ein butterweicher Vermieter-Typus. Sein Hasen-Herzchen schmilzt auf Pflaumenkerngröße, kaum dass der verbotene „Untermieter“ mit üppigem Gurren amouröse Schwindelanfälle des Metzgers provoziert. Denn der Untermieter ist eine hübsche Untermieterin: Studentin Heike Seefeldt, von Lina Sophie Weide verführerisch gespielt. Sie entpuppt sich bald sogar als furchtlose Kontrahentin der dreisten Tratsche Boldt.
Witwe Knopp und die Moral
Der pensionierte Beamte Ewald Brummer (vom Korrekten korrekt ins Unkorrekte kippend: Wolfgang Linnenbrügger) hängt ebenso am Jungmädchen-Haken wie Tramsen. Witwe Knopp entdeckt Gefühle für Brummer. Dessen Neffe Dieter (in Playboy-Manier: Magnus Heithoff) hat die fesche Heike längst erobert – und Meta Boldt wird von ihren eigenen Intrigen ausgetrickst. „Mein Gott, was alles verboten ist, und die Menschen tun es trotzdem“, resümiert einmal Witwe Knopp knapp, und gibt damit die Moral von der Geschicht‘ vor: Richtig ist, was man trotzdem tut.
Allerdings ist Spionin Boldt eine Entlarvte von Anfang an – jeder kennt ihr Lästermaul. Boldts hysterische Lügentiraden auf dem Silvesterball zünden schließlich nur noch wie Knallfrösche: „Hilfe, ich glaub‘, ich krieg‘ meine Hyäne.“ So wird alles gut, weil (fast) jeder das Richtige tut. Begeisterter Beifall für einen riesengroßen – von Regisseur Roland Heitz sicher durchs Treppenhaus manövrierten – Silvesterknaller.




