Boulevard-Premiere: Tratsch im Treppenhaus wird zu Klatsch im Kreuzviertel

MÜNSTER Skandal. Münsters Boulevard-Theater wird 15 Jahre alt, und in der Jubiläumspremiere steht kein plüschiges Sofa auf der Bühne. Und auch kein Lotterbett mit Leopardendecke. Stattdessen – ein Treppenhaus.

  • Die fidele Mieterschaft steht schon vor der Tür (v.l.): Lisa Sophie Weide, Magnus Heithoff, Heiko Haynart, Angelika Ober, Wolfgang Linnenbrügger und Michaela Fleischer.

    Die fidele Mieterschaft steht schon vor der Tür (v.l.): Lisa Sophie Weide, Magnus Heithoff, Heiko Haynart, Angelika Ober, Wolfgang Linnenbrügger und Michaela Fleischer. Foto: Manuel Jennen

Die Truppe um Intendantin Angelika Ober und Regisseur Roland Heitz probt zurzeit den „Tratsch im Treppenhaus“ von Jens Exler. Premiere ist am Freitag.

Tratsch im Treppenhaus – dieses Stück dürften viele Theaterbesucher im Münsterland gerade erst gesehen haben: Im Jahr 2009 stand es als „Quaterie in’t Treppenhus“ auf dem Spielplan der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater. Exlers Komödie ist auch im Urtext ein Mundartstück: 1960 wurde es als „Sluderkraam in’t Treppenhus“ in Flensburg uraufgeführt, danach war es als „Sluderee op de Trepp“ ein Heidi-Kabel-Dauerbrenner in Hamburg.

Am Boulevard wird der Schwank über ein moralisch entrüstetes Mietshaus nun zwar hochdeutsch gespielt, dennoch ist diese Wahl eine Überraschung. Angelika Ober und Michaela Fleischer, auf der Bühne sonst elegant mit Pumps und Strass, schlüpften gestern bei der Probe bereitwillig in plumpe Kittel.

Schwenk zum Volksstück

Dieser Schwenk zum Volksstück ist eine bewusste Entscheidung: „Wir müssen uns in Münster besser von der Konkurrenz absetzen“, sagt Ober. „Als wir 1997 anfingen, spielte niemand außer uns Komödien. Heute machen es alle. Vor allem das Borchert-Theater hat so viele Komödien im Programm, dass es schwierig für uns wird.“ Daher wollen die Boulevard-Macher künftig häufiger im Ohnsorg-Revier wildern und auch krachlederne Stücke spielen. Der Plan scheint schon jetzt aufzugehen: „Der Vorverkauf für ,Tratsch im Treppenhaus‘ läuft sehr gut“, sagt Ober.

Ohne Nachkriegs-Muff

Immerhin hat Regisseur Roland Heitz den Text vom Nachkriegs-Muff befreit und lässt ihn im Heute spielen. Das hat auch den großen Vorteil, dass eine Rolle eingespart werden konnte – sie taucht nur noch als Anrufer am Handy auf. Mit sechs Schauspielern bleibt „Tratsch im Treppenhaus“ aber ein großes Ensemble-Stück.

Ein ehrenwertes Haus wird mächtig durcheinander gerüttelt, als zwei junge Mitbewohner zur Untermiete einziehen: Die entzückende Heike und der hitzköpfige Dieter, der vor seinen Eltern zu seinem Onkel geflüchtet ist. Die folgenden amourösen Verstrickungen sind Wasser auf die Mühlen der bösen alten Klatschtante Frau Boldt (Angelika Ober im Kittel). Womöglich schlafen die jungen Leute „Wand an Wand“, Sodom und Gomorrha. Frau Boldt kommt aus dem Spionieren und Intrigieren nicht mehr heraus.

K ist komisch

Sind solche spießigen Späße heute noch zu ertragen? Regisseur Roland Heitz ist überzeugt, dass sich in 50 Jahren gar nicht so viel verändert hat, zumindest nicht in Münsters gutbürgerlichem Kreuzviertel, wo er die Geschichte spielen lässt. Für die Wahl des Kreuzviertels spricht noch ein Punkt, den Heitz hervorhebt: „Wörter mit K sind komisch“, heißt es in der Broadway-Komödie „Sonny Boys“. Und die ist am Boulevard fast so heilig wie die Bibel.

  • Premiere am Freitag (14.12.) um 20 Uhr im Boulevard Münster, Königspassage an der Königsstraße. Im Programm bis 11. März 2013: Mo, Mi, Do, Fr 20 Uhr, Sa 17 und 20 Uhr, So 18.30 Uhr, Kartentelefon (02 51) 4 14 04 00.
  • „Tratsch im Treppenhaus“ versüßt auch die Feiertage: Am 25. und 26. Dezember ist es um 18.30 Uhr zu sehen, Silvester um 19 und 22.45 Uhr. Die Silvester-Tickets kosten 60 Euro, dazu gibt es Champagner und Buffet. Es sind noch Plätze frei.
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