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München (dpa) Die Strapazen des Tournee-Theaters scheut dieser Mann nicht. Obwohl Günther Maria Halmer, eines von Deutschlands bekanntesten Fernsehgesichtern, am 5. Januar schon 70 Jahre alt wird, tingelt er unermüdlich durch die Lande.
Günther Maria Halmer hat einen klangvollen Namen in der deutschen Film- und Fernsehunterhaltung. Foto: Jens Kalaene (Foto: dpa)
Noch bis Ende Januar steht er zusammen mit Michaela May und Jürgen Tarrach in dem Boulevardstück «Toutou» auf der Bühne. Eine «Beziehungskomödie aus dem prallen Leben», wirbt der Veranstalter.
Bundesweit bekannt als «Tscharlie» in Helmut Dietls «Münchner Geschichten» und später als ZDF-Anwalt Abel, hat es Halmer eigentlich nicht mehr nötig, jedem Engagement hinterher zu hecheln. Doch man darf unterstellen, dass der routinierte Mime immer noch gerne spielt. Beweisen muss er sich nicht mehr. «In meinem Alter schmeichelt gar nichts mehr, dafür bin ich zu lange im Geschäft», sagte er in einem Interview. Außerdem hat er nichts gegen Massenunterhaltung. «Ich mag es nicht so gerne, in Filmen mitzuspielen, wo ich schon vorher weiß, dass den Film nur wenige sehen wollen, also nur für die Dunkelkammer und ein paar Kritiker gedreht wird.»
Halmer gehört zum Inventar der Film- und Fernsehunterhaltung. Überall begegnet einem sein mittlerweile markant-verwittertes Gesicht: Vom «Tatort» über «Das Wunder von Lengede» bis zum Utta-Danella-Streifen «Liebe mit Lachfalten» von 2011. Aber auch das Ausland wurde auf ihn aufmerksam. In Richard Attenboroughs Oscar-gekröntem Kinofilm «Gandhi» verkörperte er 1982 den deutsch-jüdischen Freund des Titelhelden.
Der gebürtige Rosenheimer, der nach wie vor in der Nähe seiner Geburtsstadt lebt, verbindet Bodenständigkeit mit Weltläufigkeit. Bevor er mit 24 Jahren an der renommierten Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München aufgenommen wurde, schuftete er zwei Jahre lang in einem kanadischen Bergwerk. Noch während der Ausbildung debütierte er am Bayerischen Staatsschauspiel. Sein einziges festes Theaterengagement band ihn von 1969 bis 1974 an die Münchner Kammerspiele.
In mehr als 120 Filmen und Serien hat Halmer bislang mitgewirkt und sich den Ruf eines äußerst vielseitigen Darstellers erworben. Doch er musste auch erfahren, wie es ist, auf bestimmte Charaktere festgelegt zu sein. So ging es ihm mit dem schlitzohrigen Tscharlie, aber auch mit dem raubeinig-melancholischen, von unerschütterlichem Gerechtigkeitssinn erfüllten Pflichtverteidiger Jean Abel, den er von 1988 bis 2001 vor einem Millionenpublikum verkörperte.
Doch es gelang ihm immer wieder, sich frei zu spielen. Dass er nicht nur auf positiv besetzte Charakterrollen abonniert ist, bewies er, als er 1982 in «Sophies Entscheidung» in die Haut des brutalen SS-Offiziers Rudolf Höß, Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, schlüpfte. Episode blieb 1986 sein einmaliger Auftritt als «Tatort»-Kommissar Siggi Riedmüller.
Halmer gilt, privat wie am Set, als eigenwilliger, kluger, unverstellter, zuweilen unbequemer Vollprofi. «Das was mich grundsätzlich am Leben interessiert, ist Wahrhaftigkeit», sagte Halmer in einem Interview. «Ich werde allergisch, wenn Leute lügen. Und so ist es auch beim Spielen.»

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